Das Recht am eigenen Bild: Wann Fotos, Bilder oder Videos auch ohne Erlaubnis veröffentlicht oder verbreitet werden dürfen!


Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Recht am eigenen Bild regelt, dass jeder selbst bestimmen darf, ob und wie oder wo sein Bildnis veröffentlicht, verbreitet oder zurschaugestellt wird.
  • Die Verbreitung und Veröffentlichung von Fotos oder Videos und sonstigen Darstellungen einer Person ist grundsätzlich nur erlaubt, wenn der Betroffene vorher einwilligt.
  • Ausnahmsweise ist die Zustimmung nicht erforderlich, wenn an der Veröffentlichung ein öffentliches Interesse besteht. Dies ist vor allem bei Fahndungsfotos oder bei Fotos, die den Abgelichteten als Teilnehmer einer öffentlichen Veranstaltung zeigen, der Fall. Fotos von Prominenten dürfen ebenfalls ohne Zustimmung verbreitet werden, wenn es sich um einen öffentlichen Auftritt handelt.
  • Aber auch Fotos, die Personen auf Landschaftsfotos eher zufällig als Beiwerk ablichten, dürfen ohne Einwilligung verwendet werden.
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Allgemeines zum Recht am eigenen Bild:

Grundsätzlich hat jedermann das Recht, selbst zu entscheiden, ob sein Bildnis veröffentlicht werden darf oder nicht. Dieses Recht wird Recht am eigenen Bild oder auch Bildnisrecht genannt. Es ist  eine besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Es schützt den einzelnen also vor ungewollten Verbreitungen, Veröffentlichungen und Zurschaustellungen seines Bildnisses. Als Bildnis gelten nicht nur Fotos, sondern auch Zeichnungen, Karikaturen, Comics, Gemälde, Videoaufnahmen und andere Darstellungen.

 

Grundsätzlich dürfen Fotos, Bilder und Videos nur mit Zustimmung der abgelichteten Person verbreitet werden.


Wann die Einwilligung ausnahmsweise nicht erforderlich ist:

Unter besonderen Umständen darf ein Bild einer Person auch ohne Einwilligung verbreitet werden. In der Regel ist dies dann der Fall, wenn das Bild für die öffentliche Meinungsbildung wichtig ist. Anhand einer Einzelfallbetrachtung sind daher die öffentlichen Interessen den Interessen des Abgelichteten gegenüber zu stellen.

 

Das Gesetz nennte bereits einige Fälle, wann dies der Fall sein könnte (siehe § 23 KUG):

● Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte:

Fotos, die Zeitgeschichte veranschaulichen, sind besonders von öffentlichem Interesse. Der Begriff der Zeitgeschichte darf nicht zu eng gefasst werden: grundsätzlich zählen hierzu alle Ereignisse, die von öffentlichem Interesse sind.

 

Personen, die auf den Bildern dargestellt sind, müssen eine Veröffentlichung dulden, wenn sie dem Zeitgeschehen zu zuordnen sind. Man unterscheidet hierbei wie folgt:

Absolute Personen der Zeitgeschichte


Gemeint sind hierbei vor allem Prominente wie Monarchen, Politiker, Schauspieler, berühmte Industrielle, Wissenschaftler, Sportler, etc. Die Personen stehen im öffentlichen Leben, so dass die Öffentlichkeit auch ein erhöhtes Informationsinteresse an eben jenen Personen hat.

 

Relative Personen der

Zeitgeschichte


Relative Personen der Zeitgeschichte sind welche, die durch ein bestimmtes Ereignis von öffentlichem Interesse allgemein bekannt geworden sind. In diesem Zusammenhang dürfen über sie Bilder veröffentlicht werden. Dazu zählen beispielweise Lottogewinner, Opfer bedeutsamer Naturkatastrophen, Sieger von Wettkämpfen, Personal auf einer öffentlichen Feierlichkeit (siehe BGH, Urteil  vom 11.11.2014 - VI ZR 9/14) , etc.



Auch Personen der Zeitgeschichte werden natürlich in ihrer Privat- und Intimsphäre geschützt. Eine Bildberichterstattung ist daher grundsätzlich nur im Zusammenhang mit dem Zeitgeschehen zulässig; private oder gar intime Fotos dürfen nicht veröffentlicht werden.

Beachten Sie: Ist die prominente Person in privater Begleitung, so  müssen auch die Begleiter keine Veröffentlichung dulden, denn hieran besteht kein öffentliches Interesse. Gleiches gilt für Personen, die sich in einer völlig privaten und intimen Situation im Hintergrund eines Bildes aufhalten (siehe BGH, Urteil vom 21.04.2015 - VI ZR 245/14).

● Person nur als Beiwerk auf einem Landschaftsfoto:

Handelt es sich um ein Landschaftsfoto, so hat die mitabgelichtete Person die Veröffentlichung zu dulden, wenn sie nur beiläufig auf dem Foto neben der Landschaft oder der Örtlichkeit erscheint (siehe BGH, Urteil vom 21.04.2015 - VI ZR 245/14).

Zum Beispiel: Es ist durchaus zulässig, Fotos vom Kölner Dom anzufertigen und zu veröffentlichen. Personen wie Touristen und Besucher, die mit auf dem Foto dargestellt werden, gelten dann als Beiwerk.

Ob es sich um ein Landschaftsfoto handelt und die abgelichtete Person tatsächlich als "Beiwerk" dargestellt ist, ist anhand des Einzelfalls zu prüfen. Dabei gilt:

 

Je erkennbarer und vordergründiger die Person auf dem Foto oder Video dargestellt ist, desto eher gilt sie nicht mehr als Beiwerk.

 

Bei der Beurteilung dieser Frage spielen daher die Größe der Person auf dem Foto und ob sie sich im Zentrum oder lediglich am Bildrand befindet eine gewichtige Rolle.

● Bilder und Videos von Versammlungen und öffentlichen Veranstaltungen:

Teilnehmer von öffentlichen Veranstaltungen, wie Demonstrationen, Fußballspiele, Feierlichkeiten, Mieter auf einem Mieterfest (siehe BGH, Urteil vom 8.4.2014 - VI ZR 197/13), usw. müssen eine Veröffentlichung dulden. Dies gilt selbst dann, wenn die Person nicht in einer Gruppe, sondern lediglich auf einem Einzelfoto abgelichtet wurde; insoweit kann das Bild nämlich repräsentativ für alle Teilnehmer sein (siehe BGH, Urteil vom 8.4.2014 - VI ZR 197/13).

● Personenbilder und Kunstfreiheit:

Handelt es sich um ein Bildnis einer Person, dass zu künstlerischen Zwecken verbreitet wurde, kann die Veröffentlichung ohne vorherige Zustimmung wegen der Kunstfreiheit rechtmäßig sein.

 

Wann dies genau der Fall ist, ist anhand der Umstände des Einzelfalls zu ermitteln: die künstlerischen Interessen sind den Interessen des Abgelichteten gegenüber zu stellen und zu werten. Kriterien sind zum Beispiel die Darstellungsweise des Betroffenen, Ort sowie Art und Weise der Verbreitung, etc.

 

Die Verbreitung von Personenfotos, auf denen lediglich die Farbe geändert wurde, so dass die Fotos im Pop-Art-Stil erscheinen, rechtfertigt eine Veröffentlichung jedenfalls nicht (siehe LG Düsseldorf, Urteil vom 23.07.2013 - I-20 U 190/12).

● Fahndungsfotos:

Handelt es sich um eine schwere Straftat und ist die Person dringend tatverdächtigt, so kann als letztes Mittel die Veröffentlichung eines Fahndungsfotos zulässig sein, wenn nicht in anderer Weise ihr Aufenthalt ermittelt werden kann (siehe § 24 KUG).


Veröffentlichungsverbot trotz Ausnahme:

Trotz einer der oben genannten Ausnahmen kann eine Bildveröffentlichung dennoch unzulässig sein. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Foto die Person in einem privaten oder gar intimen Moment zeigt. Dabei sind nicht nur Aufnahmen im häuslichen Bereich der Betroffenen gemeint, auch gehören hierzu auch Bilder und Videos, die die Betroffenen an einem abgeschiedenen, aber öffentlichen Ort zeigen (siehe BGH, Urteil vom 19.12.1995 - VI ZR 15/95).

Zum Beispiel: Nacktaufnahmen, Paparazzi Fotos in privaten Momenten, Fotos, die den Betroffenen in seiner Privatwohnung oder an einer abgelegenen Stelle zeigen, etc.

Für die Veröffentlichung von Fotos mit Kindern oder Jugendlichen sind strengere Maßstäbe anzusetzen.


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