Nachlassverwaltung: Wie die Nachlassverwaltung (richtig) zu beantragen ist und worauf Sie achten müssen!


Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei einem unübersichtlichen Nachlass empfiehlt es sich, die Nachlassverwaltung zu beantragen.
  • Die Nachlassverwaltung ist beim Nachlassgericht, also dem Gericht, wo der Erblasser als letztes wohnte, zu beantragen.
  • Durch die Nachlassverwaltung wird die Haftung für Nachlassverbindlichkeiten auf den Nachlass beschränkt und der Erbe wird von seiner persönlichen Haftung frei.
  • Der Nachlassverwalter sichtet den Nachlass und kümmert sich darum, die Nachlassverbindlichkeiten zu begleichen. Erst wenn alle Verbindlichkeiten ausgeglichen sind, wird der verbliebene Rest an den Erben ausgekehrt.

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Sinn und Zweck der Nachlasspflegschaft (Nachlassverwaltung):

Die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten beschränkt sich auf den Nachlass, wenn eine Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (Nachlassverwaltung) angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet ist. (zit. § 1975 BGB)

Die Nachlassverwaltung ist eine besondere Form der Nachlasspflegschaft. Die Nachlasspflegschaft kann eingerichtet werden, um den Nachlass bis zur Annahme des Erbes zu sichern.

Wohingegen die Nachlassverwaltung erst nach der Annahme des Erbes errichtet wird. Die Nachlassverwaltung ist ratsam, wenn es sich um einen unübersichtlichen Nachlass handelt, der aber grundsätzlich ausreicht, die Nachlassverbindlichkeiten zu decken

Die Nachlassverwaltung soll in erster Linie den Nachlass sichten und die Nachlassschulden begleichen. Insoweit handelt es sich um einen Gläubigerschutz.

Grundsätzlich haftet ein Erbe, auch mit seinem privaten Vermögen für sich im Nachlass befindliche Schulden (siehe § 1967 Abs.1 BGB). Die Nachlassverwaltung beschränkt Haftung des Erben auf das Nachlassvermögen.

Voraussetzungen der Nachlassverwaltung:

Um eine auf den Nachlass beschränkte Haftung herbeizuführen, ist es erforderlich, dass der Erbe die Voraussetzungen der Nachlassverwaltung strikt einhält. Tut er dies nicht, so läuft er Gefahr, dass die Nachlassverwaltung scheitert und er mit seinem privaten Vermögen für Nachlassverbindlichkeiten aufkommen muss. Folgendes ist zu beachten:

● Beantragung der Nachlassverwaltung :

Nur auf Antrag wird die Nachlassverwaltung angeordnet (siehe § 1981 BGB). Den Antrag kann ein Erbe,  der Nachlasspfleger, der Testamentsvollstrecker, dem die Verwaltung des Nachlasses zusteht, und jeder Nachlassgläubiger stellen.

 

Handelt es sich um eine Erbengemeinschaft, so müssen alle Erben gemeinsam vor der Nachlassteilung den Antrag stellen.

● Zuständiges Nachlassgericht für die Nachlassverwaltung:

Zuständig für die Entgegennahme des Antrages ist das Nachlassgericht, in dessen Bezirk der Erblasser zum Todeszeitpunkt seinen gewöhnlichen Aufenthalt begründet hatte.

● Antragsform der Nachlassverwaltung:

Der Antrag kann formlos durch ein unterschriebenes Schreiben gestellt werden. Ratsam ist es allerdings, beim Nachlassgericht persönlich zu erscheinen und den Antrag zusammen mit dem Rechtspfleger zu stellen.

● Angabe von Gründen und Kosten:

Der Antrag sollte begründet werden, wobei es ausreicht, wenn der Antragsteller darlegt, dass der Nachlass unübersichlich und deswegen die Befriedigung der Nachlassgläubiger gefährdet ist.

 

Es empfiehlt sich, zumindest über die bekannten Positionen ein Nachlassverzeichnis zu erstellen. Sind beispielsweise Grundstücke im Nachlass vorhanden, so sollten diese angegeben werden. Die Anordnung der Nachlassverwaltung ist nämlich im Grundbuch zu vermerken.

 

Die Nachlassverwaltung wird erst angeordnet, wenn genug (Brutto-)Vermögen (sog. "Aktivnachlass") vorhanden ist, dass zumindest die Kosten des Nachlassverwalters gedeckt sind (siehe § 1982 BGB).


Muster für einen Antrag auf Anordnung der Nachlassverwaltung:

Das nachfolgende Antragsmuster für die Nachlassverwaltung erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die "Benutzung" erfolgt auf eigene Gefahr. Generell kann nur empfohlen werden, den Antrag persönlich bei Gericht zu stellen oder auf fachkundige Hilfe zurückzugreifen.

An das

Nachlassgericht

(=Gericht am letzten Wohnort des Erblassers)

 

Von

Sven Nelke

Agrippastr. 1-5

50676 Köln

 

 Köln, den 7.11.2016

 

Antrag auf Nachlassverwaltung

 

betreffend die Erbschaft nach dem Ableben des Erblassers [..Max Mustermann..], gestorben am [..7.11.2016..] in  [..Köln..]

 

Ihr Zeichen: [..Aktenzeichen des Nachlassgerichts -falls vorhanden-..]

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

hiermit beantrage ich, Sven Nelke, geboren am 27.12.1982, Agrippastr. 1-5 in 50676 Köln

 

die Nachlassverwaltung über den vorbezeichneten Nachlass des Erblassers [..Max Mustermann..], gestorben am [..7.11.2016..] in  [..Köln..]

 

anzuordnen.

 

Ich bin alleiniger Erbe (siehe Testament vom 6.11.2016 - beigefügt).

 

Der Nachlass ist unübersichtlich und mir sind weder die Aktiva, noch die Passiva des Nachlasses bekannt. Ich bin auch nicht in der Lage diese zu ermitteln, da der Erblasser zu Lebzeiten kein Buch führte und sämtliche Papiere nicht aufbewahrte. Aus diesem Grund ist die Befriedigung der Nachlassgläubiger gefährdet, was ich an dieser Stelle zur näheren Glaubhaftmachung an Eides statt versichere.

 

In jedem Falle ist genügend Vermögen vorhanden, um die Kosten der Nachlassverwaltung zu decken (§ 1982 BGB). So befindet sich im Nachlass mindestens ein bebautes Grundstück, dessen Wert ich auf 250.000 € schätze (siehe Auszug aus dem Grundbuch - beigefügt).

 

Durch den Antrag möchte ich die persönliche Erbenhaftung ausschließen.

 

Entstehende Kosten können mir aufgegeben werden.

 

Mit freundlichen Grüßen


Sven Nelke


Wirkung bei Anordnung der Nachlassverwaltung:

Mit der Anordnung der Nachlassverwaltung verliert der Erbe die Befugnis, den Nachlass zu verwalten und über ihn zu verfügen (siehe § 1984 Abs. S.1 BGB).

 

Ordnet das Gericht die Nachlassverwaltung an, so hat es diesen Beschluss ersteinmal bekannt zu machen (siehe § 1983 BGB). Mit der Anordung der Nachlassverwaltung bestimmt das Gericht zugleich einen Nachlassverwalter. Dieser hat sodann den Nachlass zu sichten, zu verwalten und die Nachlassverbindlichkeiten zu bezahlen (siehe § 1985 BGB). Erst wenn alle Nachlassverbindlichkeiten beglichen und die Kosten der Nachlassverwaltung gezahlt sind, hat der Nachlassverwalter den Rest an die Erben auszuzahlen (siehe § 1986 BGB).


Nachlassinsolvenz oder Nachlassverwaltung?

Sowohl die Nachlassinsolvenz, als auch die Nachlassverwaltung führen zur gewünschten Haftungsbeschränkung für die Erben.

 

Ist das Erbe erkennbar überschuldet oder gibt es keine Masse, um die Kosten der Nachlassverwaltung zu decken, so ist es ratsam, die Nachlassinsolvenz zu beantragen, wenn eine Erbausschlagung nicht mehr möglich ist.

 

Bei einem unübersichtlichen Nachlass, bei dem der Erbe nicht sicher weiß, ob er überschuldet ist oder nicht, bietet es sich aber an, zunächst auf die Nachlassverwaltung zurück zu greifen. Sollte sich dann herausstellen, dass das Erbe in der Tat überschuldet ist, so kann der Nachlassverwalter den Antrag auf Nachlassinsolvenz stellen.


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